Neu gedeutscht

Lost in Space
DerDeutsche - 5. Jul, 16:22
Bravo! So mag ich das. Neulich...
Bravo! So mag ich das. Neulich wollte doch das Stromverkaufsunternehmen.. .
iGing - 16. Jan, 21:10
Effizienz
Die neue Energieeffizienzoptimierun gs-Software untersucht...
DerDeutsche - 26. Feb, 17:04
ab omnibus ...
DerDeutsche - 10. Jan, 20:31
Astronomisch
The 600 Years from the macula on Vimeo. Gefunden beim...
DerDeutsche - 29. Dez, 19:46
Schuhbeck's Platzl
Nachdem es Alfons Schuhbeck schließlich gelungen war,...
DerDeutsche - 29. Dez, 19:45
Luxus im Feld
Mit strengster Geheimhaltung haben Bundeswehr und Porsche...
DerDeutsche - 29. Dez, 19:45
der Rohrrohzucker sieht...
der Rohrrohzucker sieht auch nicht schlecht aus! man...
david ramirer - 26. Nov, 17:29

Montag, 29. Juni 2009

Achsenschlaf

Hier nun daheim, von Sturm nicht mehr gezaust,
Sitzen wir still, dieweil der Abend fällt;
Rosenduft füllt das laubbedachte Zelt,
Hier, wo des Lebens Strudel nicht mehr braust.
Still steht die Zeit und ruht vom Jagen aus;
Auf ihrer Bahn die Sonne innehält.
Hier in der stillen Mitte, wo die Welt
Auf ihrer Achse schläft, sind wir zu Haus.

Laß schwingen, Liebe, die Peitsche, daß wir bang,
Auf schwanker Spitze aufrecht stehend, nicht
Auf weichem Kissen schlafen, wie so hehr
Die Spannung schläft in der Schalmei Gesang;
Denn taumelnd fallen wir, wenn Unruh bricht,
Und schlafen, sterbend, süßen Schlaf nicht mehr.



Dorothy Sayers - Aufruhr in Oxford
Übersetzung Otto Bayer

Sonntag, 28. Juni 2009

Die Strudlhofstiege

"Als Mary K.s Gatte noch lebte, Oskar hieß er, und sie selbst noch auf zwei sehr schönen Beinen ging (das rechte hat ihr, unweit ihrer Wohnung, am 21. September 1925 die Straßenbahn über dem Knie abgefahren), tauchte ein gewisser Doktor Negria auf, ein junger rumänischer Arzt, der hier zu Wien an der berühmten Fakultät sich fortbildete und im Allgemeinen Krankenhaus sein Jahre machte."

Rrumms. Das ist ein Anfang. Mit diesem Satz beginnt "Die Strudlhofstiege" von Heimito von Doderer. Erschienen 1951, erarbeitet in Jahrzehnten, umstritten wg. der Biographie des Autors, Zwischenstand und Vorspiel zu dem noch umfangreicheren Werk "Die Dämonen", genial.

Geläufig war mir schon länger der Titel, vielleicht vom Stöbern in Buchhandlungen. Stand und steht dort breit, unübersehbar, beim Durchgehen der Regale stößt man unweigerlich auf das Buch. Sagte mir aber weiter nichts, bis ich es eines Tages zur Hand nahm, diesen ersten Satz las und nicht mehr loskam. Das ist jetzt schon einige Jahre her, die 900 Seiten las ich damals in einem Rutsch (der einige Wochen in Anspruch nahm). Geblieben ist mir dieser Anfang und eine grobe Vorstellung von der Handlung. Diese wurde später überlagert von der Lektüre von "Die Dämonen", noch umfangreicher, noch vielfältiger, farbiger, eine Erweiterung, eine Basis, ein Mantel für "Die Strudlhofstiege".

Ich will und kann hier nicht den Inhalt wiedergeben, das führte zu weit und die Lektüre ist auch schon zu lange her. Es geht wie oft um Liebe oder das, was man dafür hält, um Beziehungen in vielfältiger Weise und um die Gesellschaft in ihren verschiedenen Facetten. Die Handlung spielt im Wien der zwanziger Jahre, im reicheren und im nicht ganz so armen Milieu, unter Künstlern und Zwielichtigen. Es geht um die täglichen Nöte, die seelischen Nöte, um Betrug und Erlösung. Beginnend und endend mit dem Paukenschlag des Straßenbahnunfalls windet sich der Erzählungsfaden zurück und vor, nimmt vorweg, holt ein und kommt auf den Punkt.

Was mich gefangen nahm und faszinierte, war und ist die sprachlich gewandte, kritische, aber liebevoll treffende Charakterisierung der Personen und der Gesellschaft. Doderer kennt die Leute und ihr Leben, ist ein genauer Beobachter und kann seine Beobachtungen und Ideen in lebendigen Sätzen und Wortkombinationen wiedergeben. Und gleichzeitig schwebt in den Formulierungen auch immer ein leiser Hauch Ironie, man muss das Geschehen und die Gefühle und Handlungen der Menschen nicht ganz so ernst nehmen, der Autor zwinkert mit dem Auge und ich zwinkere zurück, und manches bleibt offen, undefiniert.

Und er erfindet ein Sammelsurium an Charakteren, Lebenslinien und Verflechtungen. Aber vielleicht ist das alles gar keine Erfindung. Als ich las, hatte ich das Gefühl, die Leute zu kennen, ähnliches selbst einmal oder bei Freunden und Verwandten erlebt zu haben, dabei gewesen zu sein, nein, tatsächlich dabei zu sein. Ganz nah waren mir alle. Ich erinnere mich: als ich dann mit dem Buch durch war, kam eine tiefe Traurigkeit, ein Abschiedsschmerz, mit der traurigen Gewissheit, von Melzer, der Hauptfigur, und seinen weiteren Schicksalen und Entwicklungen nie mehr etwas erfahren zu können. Er trat aus der Geschichte heraus in sein eigenes Leben und ließ mich zurück.

Wenn ich die Zeit hätte, würde ich mich wieder daran begeben, um Sätze zu finden, wie:

"Sein Klingeln klang kurz und scharf, als schlüge man eine Scheibe ein.."
"..einsam an diesem in die eigene Wärme gestürzten Sommertage der zweiten Hälfte des August."
"Der Sommermorgen schien zu zögern, jetzt um halb zehn Uhr am Vormittage noch."
"Wenige Tage später begann auch ihn zweimal täglich die Post-Charybdis in Ein-Zügen und Aus-Stößen, die regelmäßig wechselten, wie die Gezeiten des Meeres, zu schlucken und wieder auszuspeien: als nämlich die ersten Briefe ..."

bis zum Ende, das, etwas kryptisch, verkündet:

"..'Glücklich ist vielmehr derjenige, dessen Bemessung seiner eigenen Ansprüche hinter einem diesfalls herabgelangten höheren Entscheid so weit zurückbleibt, daß dann naturgemäß ein erheblicher Übergenuß eintritt.' Was soll man hier noch sagen!"

DerDeutsche ist Stammgast

... geworden. Das war er schon immer hie und da. Gestern abend wurden er und seine Freunde aber dazu erkoren.

Das Lokal nebenan, tirolisch-italienischer Provenienz, wurde in den letzten Jahren, seit ein guter Koch da ist, so etwas wie ein Stammlokal. Ein Stammlokal ist so was ähnliches wie eine Stammkneipe, nur ist die Frequenz des Aufsuchens desselben niedriger, und damit günstiger und gesünder. DerDeutsche hatte (vor dem Rauchverbot) schon Stammkneipen (eine), deren Besucher ob der Dichte und Schärfe des allenthalben wabernden und nicht mehr zu lüftenden Rauches befürchten mussten, höhere Krankenkassenbeiträge zahlen zu müssen, ob der absehbaren gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Aber hier (und ohne Rauch): gute Pizza, guter Wein, schöne Einrichtung, nette Athmosphäre. Die Kellner wurden nach und nach vertrauter und umgekehrt, es wird persönlicher. Kaum, dass wir gezahlt hatten, bot uns der Kellner auf Kosten des Hauses noch einen Digestiv in Form eines Grappa an. Damit erhielten wir endgültig die (höheren?) Weihen eines Stammgastes. Kurzes Zögern, einander angucken, zweifeln (geht das denn noch?), angenehm berührt sein, zustimmen...

Pizza, Wein und Grappa haben, weil ungewohnt gemischt, in der Nacht dann heftig gearbeitet und den Schlaf verkürzt.

>>
...
Was hat 'n da de Babba da
der hat e Flasch Grappa da de Babba
wo hat dann der Babba die Flasch
de Babba hat de Grappa in de Tasch
...
<<


Rodgau Monotones - Erbarme, zu spät, die Hesse komme

DerDeutsche hat Geheimnisse

... und die behält er für sich!

Samstag, 27. Juni 2009

DerDeutsche altert

Da gibt es nun leider kein Zurück mehr. Lange war DerDeutsche jung. Immer gleich jung, so zwischen 15 und 30, je nach Stimmung. Fiel ihm gar nicht auf. Bis seine Lieblingsfrau meinte, er solle mal an die Rente denken, vorsorgend (finanziell, aber auch seelisch). Da ist ja noch ein Weilchen hin, aber der Stachel saß. DerDeutsche guckt in den Spiegel und sieht alt aus. Das war wohl schon vorher so, aber jetzt weiß es auch der Spiegel. Vorbei die Träume, in diesem Leben noch alles erreichen zu können: reich sein, berühmt sein, beliebt sein, Politiker, Künstler, Sportler werden, gewiefter Unternehmer oder einfach nur (Lieblingstraum) Lebemann. Rette, wer sich kann.

Freitag, 26. Juni 2009

Kein Netz - keine Fische

Heute war es so weit. Die Welt ist eingestürzt. Heute nachmittag zwischen 2 und 3 ging das Netz flöten. Kein einziger Fisch wollte sich fangen lassen, alle Ausleger und Angeln waren draußen, aber - nichts. DerDeutsche, der vor kurzem noch so pathetisch sich unabhängig wähnte von modernen Fangmethoden und gerne etwas altmodisch wäre, wurde plötzlich, naja, nicht ganz hilflos, auch nicht kopflos, aber doch irritiert. Das Netz war weg.

Er könnte auch anderes tun.
Hatte er auch vor.
Nun ja.

Da wäre die Fortbildung, ein wenig lesen, ein wenig studieren. Wäre ja auch wichtig in den widrigen Zeiten.
Aber...

Zu seinem Glück hatte DerDeutsche einige Fische schon gebunkert, andere noch im Köcher, so dass er nicht zwingend auf das Netz angewiesen war. Er konnte sich die bunten Fische im Köcher angucken, aber nur die Aussenseite, die schweren Kaliber im Bunker konnte er sich einverleiben, wg. der Fortbildung.

Kam nicht weit.
Guckte immer wieder mal.
Nüscht.

Gegen 6 dann auf einmal einige Maschen enger. Ein paar Winzlinge konnte er einholen, bevor das Netz wieder verschwand. Dann blubbte es mehrfach, bis es wieder fest am Haken hing und seither kann DerDeutsche wieder fischen, dass das Herz lacht.


Alles wg. Michael

Ersetze zwanglos Netz, Fische, Köcher, Bunker mit zum Beispiel Internet, Websites, Cache usw.

Hin und wieder kommt es ja vor, dass da ein Ausfall ist. Dein Provider hat die Server nicht bezahlt und der Gerichtsvollzieher nimmt sie einfach mit, der Presslufthammer draußen trifft das Hauptdatenkabel und der Backbone bricht zusammen, ein Selbstmordattentäter sprengt das Transatlantikkabel auf Höhe des Mittelatlantischen Rückens ...

Heute gibt es wohl eine andere, menschlichere Erklärung. Die Welt ist eingestürzt. Michael Jackson ist tot.

Hätte nie gedacht, dass ich mal über diesen Menschen Worte verlieren würde. Aber es sieht so aus, als wenn dies der Anlass für einen allgemeinen Zusammenbruch und Ausfall des Netzes, meines Netzes, gewesen sein könnte. Nicht der Iran, nicht China, nicht Quelle.

Am Vormittag war wohl schon die Hölle los in deutschen Radio- und Fernsehkanälen. Das waren aber sicher Peanuts gegen das, was dann im Ländle jenseits des Teiches losgebrochen sein muss. Wenn bei uns 2 Uhr ist, dann fängt man an der amerikanischen Ostküste gerade an zu arbeiten (8 Uhr). Bei uns 6 Uhr abends, in Kalifornien 8 Uhr morgens. Wir haben in gewisser Weise die amerikanische Welle des Entsetzens und der Sensation erlebt, beginnend gegen 8 an der Ostküste, endend gegen 8 an der Westküste. Jetzt sind sie durch, das Netz steht wieder.

Ob es so war?
DerDeutsche wäre manchmal gerne
- allwissend
manchmal aber auch nicht. Macht das Leben sicher nicht einfacher.

Twitter, sagt man, ist jedenfalls zusammengebrochen. Hat hoffentlich nur einen Katarrh und keinen Flügel verstaucht.

Krups 50

DerDeutsche hat eine Kaffeemühle, die heißt Krups 50. (Nein, DerDeutsche spricht sie nicht mit Namen an, sie spricht ja auch nicht mit ihm). Sie ist betagt, aber schön. (Nein, DerDeutsche hat keine Liebesbeziehung zu ihr. DerDeutsche ist alles, nur kein Fetischist [fehlt da was...?]).

Die wunderschöne Kaffeemühle mit dem einfachen Namen Krups 50 ist mittlerweile fast 40 Jahre alt und gehörte meiner Großmutter. Sie hat sich gut gehalten (die Mühle) und verrichtet immer noch klaglos ihren elektrischen Dienst. Jetzt werden sicher einige enttäuscht sein: keine echte Großmuttermühle, kantig, aus Holz, mit Drehgriff und Schublade (da gibt es auch schöne, ohne Frage). Aber ich liebe (hüstel) einfach diese kleine, schlichte, funktionale Maschine.

Das Design ist zeitlos. Das sagt man meist, wenn viel Zeit vergangen ist und die Sachen immer noch gefallen. Heutzutage wird dummerweise oft schon von zeitlos gesprochen, wenn die Dinge erst kurz oder noch gar nicht auf dem Markt sind. Die Zeitlosigkeit muss sich aber erst noch beweisen, sie manifestiert sich ja nicht so einfach, harte Arbeit. Ich glaube sogar, dass diese Kaffeemühle auch heute noch produziert und verkauft wird.

Jedenfalls ist die Maschine oval. Weiß. Hoch. Mit transparentem Deckel. Allein die Konstruktion des Deckels mit dem Schalter ist genial: der Schalter ist so in den hinteren Teil des Deckels integriert, dass nur ein kleiner Stift am unteren Ende in das winzige Gegenstück im Körper der Maschine hineindrückt (wenn man drückt). Die Maschine lässt sich also nur mit fest geschlossenem Deckel in Gang setzen. So gerät man nie in Gefahr, bei offener Mühle die scharfen Messer in Gang zu setzen. (Es gibt sicher findige Jungs im eperimentellen Alter, die auch hier eine Möglichkeit finden würden - sorry Mädels: es gibt sicher auch findige Mädchen, die das gerne tun). Auch die Lösung des Problems, mit den ja nur einen Kreis beschreibendene Messern in einem ovalen Umfeld alle zu zerkleinernden Bohnen und Partikel zu erreichen, ist genial. Es braucht nur an der entfernteren Seite eine leichte Schräge, und schon fällt alles von dort zurück ins Zentrum der Zerstörung.

Ach, ich kann so schlecht beschreiben. Ich sollte ein Foto machen.

Diese Kaffeemühle hege ich seit vielen Jahrzehnten (s.o.). Sie kam nicht immer zum Einsatz. Vor etwa zwanzig Jahren war sie lange Zeit sehr aktiv. DerDeutsche war damals ganz begeistert von der Möglichkeit, bei Tschibo sich Kaffee mischen zu lassen. Ein bißchen Guatemala, ein bißchen Ecuador, eine Prise Kenia. Tschibo hat das nach und nach eingeschränkt und abgeschafft, schade. Entweder, weil DerDeutsche mit der Zeit nicht mehr die volle Kreativität aufbrachte und nach Entdeckung der Espressokanne dem deutschen Kaffee abtrünnig wurde, oder, und das ist wahrscheinlicher bei der gesamtgesellschaftlichwirtschaftlichen Entwicklung, weil es den Managern zu teuer wurde, eine einzelne Verkäuferin (kann man da sagen Fachkraft?) mit dem liebevollen, aber zeitaufwendigen, Schöpfen, Mischen und Abwiegen der diversen Kaffeesorten zu beschäftigen.

Jedenfalls fristete die kleine Maschine in den Folgejahren ein gewisses Schattendasein, immer aber geliebt und gehegt und gut behandelt. Bis vor kurzem die Lieblingsfrau DesDeutschen entdeckte, dass man Espresso auch bohnenweise kaufen kann, was günstigerweise oft billiger ist, als gemahlen. So kam die kleine Krups 50 wieder zu Ehren und kracht und mahlt, was das Zeug hält.

-

Übrigens: DerDeutsche hat auch noch einen kleinen Toaster, der ist noch älter und kann nicht fliegen, aber davon ein andermal.

Donnerstag, 25. Juni 2009

DerDeutsche ruft zurück

Der Gast tritt ein und ruft: "Mein Wertester!"

DerDeutsche ruft zurück: "Mein Allerwertester!!"

>>
...
And so the conversation turned
Until the sun went down
And many fantasies were learned
On that day
...
<<

The Human League, (Keep Feeling) Fascination

Mittwoch, 24. Juni 2009

Ein Indianer kennt kein...

Wie sehr DerDeutsche und sein Indianerbild doch von Karl May geprägt ist. Ich habe zwar nie alle Bücher gelesen (70 oder so? war ein unerreichbares Ziel), aber Winnetou und seine Genossen wirkten sehr intensiv. Was ein Indianer nicht alles hatte und konnte!

Ein Adlerauge - oooh, wie klasse - damit konnte er über Kilometer und Meilen hinweg jede kleinste Einzelheit erkennen (der Trapper hat ein schielendes Auge, verfilzten Bart, in dem die Läuse krabbeln, Flicken an der Hose und braucht noch fünf Stunden, bis er hier ist). So ein Adlerauge wollte ich natürlich auch haben, war doch Klasse, so gut zu sehen - hatte ich vielleicht damals auch (eingebildet), wurde erst später schlechter.

Lautloses Anschleichen, wer wünschte sich das nicht: jeder Indianer konnte das, egal wie dicht das Unterholz und Gestrüpp war. Bis auf Millimeter pirschte er sich an seinen Feind oder das Wild heran ohne gehört zu werden, und musste dann einfach nur noch zuschlagen, -greifen, -schlitzen etc. In den Filmen galt das aber fast nur für die Guten. Kam ein Böser, dann drehte sich der Bedrohte im letzten Moment (der Indianer hatte schon sein Messer gehoben, um es dem guten weißen Mann in den Rücken zu stoßen oder an die Kehle zu setzen) um und konnte nach mehr oder weniger langem heftigem Kampf den Indianer seinerseits meucheln.

Die Filmindustrie tat das ihre, um solche Bilder in uns einzupflanzen. Hollywood vorneweg, zumindest bis in die 1960er Jahre hinein. Dann wurde alles gröber, "realistischer". Zumindest blutiger.

Aber: ein Indianer musste nie, weder klein noch groß. (Das galt aber auch für die edlen Trapper, Old Shatterhand und Konsorten). Aber, überleg mal: ein Mensch streift tagelang durch die Büsche, immer auf der Hut vor wildem Getier oder wildem Mensch, immer wieder trinkt er (gerne an einem Bach oder Fluß, gierig, weil sehr durstig), isst er, und dann ... bleibt alles drinnen ...?

Da glaube ich ja lieber, dass ein Indianer keinen Schmerz kennt, als dass er keinen Drang kennt, keinen Druck hat. Wenn sich das alles mal entlädt ...

Montag, 22. Juni 2009

Psst ... steht da wer?!

DerDeutsche erschrickt.

In letzter Zeit habe ich immer wieder mal plötzlich das Gefühl, als stünde jemand hinter mir. Ein rascher Schatten, ein rasches Erschrecken, ein rasches Umdrehen ... - keiner da!

Wahrscheinlich mein eigener Schatten in ungünstigen Verhältnissen. Was macht er da? Das Licht kommt doch von einer ganz anderen Seite! Ich bin doch nicht Peter Pan, dessen Schatten auf und davon ist. Mir muss keiner den Schatten wieder an die Füße nähen, mit mir nicht.

Wer weiß ... und auf einmal steht ...

Ringelnatz'sche Anwandlungen? Der ist längst tot, andere auch. Aber schon so lange, dass ich ungestraft von urhebernden Verfolgern das ganze Gedicht zitieren kann:


Und auf einmal merkst du äußerlich:
Wieviel Kummer zu dir kam,
Wieviel Freundschaft leise von dir wich,
Alles Lachen von dir nahm.

Fragst verwundert in die Tage
Doch die Tage hallen leer.
Dann verkümmert deine Klage...
Du fragst niemanden mehr.
Lernst es endlich, dich zu fügen,

Von den Sorgen gezähmt.
Willst dich selber nicht belügen
Und erstickst es, was dich grämt.
Sinnlos, arm erscheint das Leben dir,
Längst zu lang ausgedehnt. — —

Und auf einmal — —: Steht es neben dir,
An dich angelehnt — —
Was?
Das, was du so lang ersehnt.

Joachim Ringelnatz, Und auf einmal steht es neben dir

DerDeutsche wäre gerne ...

- kreativ
- ein Künstler
- weltoffen
- tolerant
- diszipliniert
- frei
- interessant
- schön
- charakterlich

Sonntag, 21. Juni 2009

DerDeutsche lebt unzeitgemäß

Um sich greift seit einigen Jahren ein Phänomen, das als solches von den Betroffenen gar nicht erkannt wird: der Zwang, ständig über Handy und Internet mit anderen in Kontakt sein zu müssen. Unterstützt wird dies von einer verkaufssüchtigen Industrie, die ihre neuen Entwicklungen permanent unter Erfolgsdruck an den Mann resp. die Frau bringen will. Da wird schon mal geworben mit der neuen Freiheit, auch in der Freizeit, im Urlaub seine Mails sichten zu können, mit der Familie, den Freunden in Kontakt sein zu können, egal, wo man sich befindet. (Guck mal bei Alex Rühle in der SZ nach - hier und hier).

Die Betroffenen, und deren sind es schon sehr viele, merken gar nicht, wie sehr sie sich abhängig machen von dieser Art des Umgangs miteinander, von dieser neuen Art von Abhängigkeit, die die eigenen Entscheidungsmöglichkeiten drastisch einschränkt. Keiner ist mehr wirklich mit sich allein, Betonung auf "mit sich". Es gibt bei diesem Verhalten wenig Freiräume (müsste eigentlich "Freizeiten" heißen), in denen es möglich wäre, sich tatsächlich mal nur mit sich selbst zu beschäftigen. Und dieses mit sich selbst beschäftigen kann ja viele Ausprägungen haben: vom Lesen über Basteln, Kochen, spazieren gehen, zum Fenster rausgucken bis hin zu Nichtstun.

Das Nichtstun ist im Grunde eine sehr menschliche, heilsame Verhaltensweise, um dem Geist und dem Körper eine Möglichkeit der Erholung zu geben. Es wird leicht mit Langeweile verwechselt. Wobei hier unterstellt wird, dass Langeweile negativ ist. Lange Weile (der Österreicher sagt auch "zeitlang" - lange Zeit) besagt ja zunächst mal nur, dass man spürt, wie die Zeit vergeht - aber das ist der falsche Ausdruck: "wie die Zeit vergeht" wird ja meistens erst im nachhinein benutzt, wenn viel geschehen ist und man sich bewusst wird, dass viel Zeit vergangen ist. Langeweile heißt für uns heute, zu spüren, wie die Zeit vergeht, ohne dass viel geschieht - und gleichzeitig zu denken, dass etwas geschehen sollte, dass man selbst geschehen sollte, etwas tun sollte, etwas anderes tun, als man gerade tut, nämlich scheinbar nichts. (Wobei es auch langweilige Tätigkeiten gibt, die keine andere Bezeichnung verdienen).

Diese Langeweile will wohl kaum ein Mensch mehr aushalten (ist unter Umständen auch nicht schön). Und heute erhält jeder die technische Unterstützung, dies nicht aushalten zu müssen. Jeder kann jederzeit von jedem Ort mit anderen direkt in Kontakt treten. Vorbei die Zeit, in der ein Abschied ein Abschied war, in der Kontakte über Distanzen Zeit brauchten (Briefe, Postkarten, Reisen) und Raum. Heute wird telefoniert, gesimst, gechattet, gemailt was das Zeug hält. Ist der eine nicht erreichbar, kommt halt der nächste dran. Kontakte vervielfältigen sich, Beziehungen und Bindungen verflachen. Die heute Jungen kennen die Welt schon gar nicht mehr anders. Sie, die in Zukunft das gesellschaftliche Leben, und damit auch das politische und wirtschaftliche Leben, bestimmen werden, wissen schon gar nicht mehr, dass man sein Leben auch anders gestalten kann als in ständigem Verbindungswahn. Stille Freizeitgestaltung wird mehr und mehr verpönt sein, verachtet, mißtrauisch betrachtet werden, vielleicht sogar zu einem Straftatbestand (naja), zumindest zu einem psychischen Defekt deklariert.

DerDeutsche lebt da ganz unzeitgemäß. Er träumt, er guckt Löcher in die Luft oder sonst wohin, er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Telefonieren war schon immer ein seltener Bedarf für ihn, wohinter aber sich auch eine in gewisser Weise aggressionslose Kontaktschwäche verbergen kann. Chatten ist für ihn ein fremdes, recht überflüssiges Mittel der Kommunikation: Hi, wie geht's - ätzend - Scheißtag. Die Reduzierung des Gedankenaustauschs auf rudimentäre sprachliche / semantische Fetzen, die verbunden ist mit einer permanenten, fast aggressiven Störung, weil die Antworten asynchron und unvorhergesehen kommen, befriedigt ihn ganz und gar nicht. Auch jeden Tag, oder sagen wir mal, regelmäßig seine Mails "abholen" und begutachten, ist nicht so ganz seine Sache (beruflich schon nötig, aber privat gönnt er sich doch immer wieder eine Auszeit).

Wie schön kann das Leben sein mit einem langen Frühstück, mit einer guten Zeitung, mit einem guten Buch oder einfach nur mit schönem Wetter. Etwas bummeln, in einem Straßencafe die Passanten beobachten, auf einer Wiese sitzen (der Winter kommt gerade schlecht weg, auch in Ermangelung eines Kamins) - echte Freizeiten, die dem schwachen Hirn helfen, sich zurückzulehnen, die ganze Arbeit mal sein zu lassen ("abschalten" sagt man auch, nur: wo ist der Schalter - knipps an, knipps aus, will man das wirklich?), um sich dann wieder frisch und zuversichtlich in der Welt zurechtzufinden und die Aufgaben, sprich das Leben zu bewältigen, freundlich und kraftvoll angehen kann.

Das war jetzt viel Schwulst am Schluß (DerDeutsche verliert sich gern in Schwülstigem). Fakt ist, DerDeutsche kann mit der Welt in Kontakt sein, ohne gleich in minuten- oder sekundentaktiger permanenter Rufbereitschaft zu leben.

Freie Texte für freie Deutsche

.. die Zeit, welche damals sehr langsam noch verging, sich da und dort in Teichen sammelte, oder, ihres Fließens ganz vergessend, in Tümpeln stand und den Himmel spiegelte ..

Heimito von Doderer, Die Wasserfälle von Slunj

Brachland

Zurückgedeutscht

Running fence - gealtert?
DerDeutsche - 2. Jan, 18:41
freude ist jedenfalls unverkennbar.
DerDeutsche - 29. Jul, 15:10
Zeit für einen Goetheplag?
DerDeutsche - 29. Jul, 15:07
der perfekte (Schönheits) Fleck ;)
DerDeutsche - 8. Jun, 18:20
Schön! Perfekt. Wien wolkenlos?
DerDeutsche - 7. Jun, 06:10

Mit bestem Dank!


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